Juli 2024

Dürfen Bauern im Sommer zu jeder Tages- und Nachtzeit arbeiten?

Die Arbeit und damit auch die Arbeitszeiten von Landwirtinnen und Landwirten hängt nicht zuletzt vom Wetter ab. Gerade in den Sommermonaten und bei unbeständigen Wetterlagen kommt es vor, dass landwirtschaftliche Geräte und Maschinen auch nachts und am Sonntag auf den Feldern und vor allem auf den Strassen anzutreffen sind. Das ist nicht per se verboten.

Vom Sonntags- und Nachtfahrverbot sind gemäss Art. 91a Abs. 1 lit. b der Verkehrsregelverordnung (VRV) land- und forstwirtschaftliche Fahrzeuge ausgenommen. Allerdings sind bei Fahrten während des Sonntags- und Nachtfahrverbots vermeidbare Ruhestörungen zu unterlassen (Art. 91a Abs. 4 VRV).

Zu beachten ist im Weiteren, dass betreffend Lärmbelastungen das sogenannte Vorsorgeprinzip gilt. Demnach müssen Emissionen so weit begrenzt werden, wie dies technisch und betrieblich möglich sowie wirtschaftlich tragbar ist (Art. 11 Abs. 2 Bundesgesetz über den Umweltschutz). Ausserdem sind aufgrund nachbarrechtlicher Vorschriften schädliche oder nicht gerechtfertigte Einwirkungen auf ein (Nachbar-)Grundstück – unter anderem durch Lärm – verboten (Art. 684 Abs. 2 Zivilgesetzbuch). 

Gewisse Kantone regeln die Sonntags- und Nachtarbeit von Landwirtinnen und Landwirten weitergehend. Zu berücksichtigten sind ausserdem die Polizeireglemente der betroffenen Gemeinden. 

Während die Grundzüge der landwirtschaftlichen Tätigkeit an Sonntagen und während der Nacht gesetzlich geregelt sind, kommt es im Konkreten immer auf den Einzelfall an. Dabei gilt es, gesunden Menschenverstand zu wahren und sich die Situation des anderen zu vergegenwärtigen: LandwirtInnen arbeiten in der Regel nicht aus Spass am Sonntag und in der Nacht. Und bei der Bewirtschaftung von siedlungsnahen Parzellen soll dem Ruhebedürfnis der Bevölkerung genügend Rechnung getragen werden. 

Irene Koch
i.koch@frickerseiler.ch